Feuerschiff
ELBE 1

Bürgermeister O'Swald (II)


- aktives Feuerschiff vom 7.11.1948 bis 22.4.1988 -

 

Position 1936: 54° 01' 00" Nord - 08° 13' 00" Ost
Position 1948: 54° 00' 00'' Nord - 08° 10' 40'' Ost
Position 1953: 53° 59' 57" Nord - 08° 10' 40" Ost
Position 1970: 54° 00' 00'' Nord - 08° 10' 03'' Ost
 Position 1983: 54° 00' 00'' Nord - 08° 06' 35'' Ost

 

Schiffsdaten

Länge mit Bugspriet: 57,30 m

Länge z.d.L.: 49 m

Breite: 9,55 m

Seitenhöhe: 6,05 m

Tiefgang: 4,72 m

Verdrängung: 1.000 t

Vermessung: 641 BRT

Kennung: 10 Sekunden Gleichtakt (5 Sek. hell/5 Sek. dunkel)
Feuerhöhe: 15 m
Brennweite: 300 mm
Tragweite: 23 sm, heute 17 sm
Lichtquelle: Scheinwerferglühlampe 2000 Watt, heute 1.500 Watt
Aufhängung: kardanisch

Behörde: Seewasserstraßenamt Cuxhaven

Werft: Jos. L. Meyer, Papenburg/Ems
Bau-Nr.: S 436
Baukosten Voranschlag: 1.500.000 RM (1935)
Baukosten tatsächlich: 1.513.628,17 DM (1948)
Rumpfmaterial: Stahl, genietet
Antriebsmotor: 500 PS (368 kW), ab 1970 650 PS (478 kW)
Stationsanker: 3 t Pilzanker, 245 m Kette, Gliedstärke: 52 mm, steglos
Seitenanker: Patentanker, 1025 kg, 315 m Kette, Gliedstärke: 55 mm, mit Stegen
 
Unterscheidungszeichen: DBBR
 

 

 

Geschichte:

13.02.1939 nach dem dramatischen Untergang der ersten Elbe 1 am 27.10.1936 wurde die Schiffswerft Jos.L.Meyer, Papenburg/Ems beauftragt ein neues Feuerschiff zu bauen

04.09.1941 Kiellegung

02.06.1943 Stapellauf

In der Zeit des 2.Weltkrieges hatten Wehrmachtsaufträge vorang, deshalb verzögerte sich der Bau weiter. Gegen Ende des Krieges sollte das halbfertige Feuerschiff, welches bisher von allen Beschädigungen verschont geblieben war, durch die deutsche Wehrmacht gesprengt werden, damit es nicht in Feindeshand fallen konnte. Durch eine kurzentschlossene, in der Verantwortung der Bauwerft liegende, Versenkung des Schiffes im Hafen Papenburg, konnte dieses Schicksal abgewendet werden.
Nach Kriegsende wurde die Elbe 1 wieder gehoben. Durch Materialmangel verzögerte sich die Fertigstellung weiter. Erst die Währungsreform ermöglichte eine schnelle Fertigstellung

04.10.1948 Probefahrt

08.11.1948 endlich, rund 10 Jahre nach der Auftragserteilung, konnte das Schiff beim damaligen Seewasserstraßenamt Cuxhaven, dem heutigen Wasser- und Schifffahrtsamt Cuxhaven, in Dienst gestellt werden

09.11.1948 erstmalige Auslegung auf der Station

15.12.1948 endgültige Abnahme

Die Elbe 1 hatte 1948 eine Gesamtbesatzung von 27 Männern, die in drei Schichten aufgeteilt war. Immer 18 Besatzungsmitglieder führten den Dienst durch. Dies wurde erst 1959 geändert. Nun waren es zwei Schichten mit jeweils 14 Männern.

1954 werden langanhaltende Versuche zur Stabilisierung des Leuchtfeuers bei stark arbeitendem Schiff gemacht. Mit Hilfe eines schnell routierenden Kreisel sollen die starken Bewegungen des Leuchtfeuers verringert werden

05.09.1954 von Bord des Schiffes wird ein Teil des Hafenkonzertes des Nordwestdeutschen Rundfunks unter der Leitung von Kurt Esmarch gesendet

26.02.1959 Kollision mit dem belgischen D. "Capitaine Limbor", 7176 BRT

29.01.1960 der Betrieb des Wasser-Nebelschallsenders wird offiziell aufgegeben

1960 ein Decca-Navigator wird an Bord eingebaut. Hiermit war auch bei schlechten meteorologischen Bedingungen jederzeit eine genaue Positionskontrolle möglich

21.12.1960 Kollision mit dem einkommenden dänischen M.S. "Sargolada", 8585 BRT. Am nächsten Tag wird die Station verlassen, weil erhebliche Schäden am Vorschiff entstanden waren. Reparatur in Cuxhaven bis Anfang März 1961

25.01.1962 Kollision mit dem duetschen Fischdampfer "Karlsruhe". Bugspriet beschädigt, die WSD Hamburg verfügt danach, dass der Bugspriet, scherzhaft Havariespargel genannt, nicht ersetzt werden sollte. Ein gütiges Schicksal hat dann die typische Feuerschiffsilhouette doch noch erhalten

1963 wird ein Radargerät eingebaut. Damit ist es möglich, im Nebel gefährliche Annäherungen anderer Schiffe frühzeitug zu erkennen und möglicherweise Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Ausweichmanöver durch verlassen der Position, d.h. Slippen der Ankerkette blieben ausgeschlossen. Die Besatzung erhält jetzt aber einen rechtzeitigen Voralarm

1964 erhält die ELBE 1 ein zweites Motorboot. Jetzt kann bei schlechtem Wetter immer auf der günstigen Leeseite des Schiffes ein Motorboot ausgesetzt werden, das Ruderboot wurde bei starkem Seegang nie ausgesetzt. Bei schlechtem Wetter, d.h. bei starkem Seegang, wird das Ablösen der Besatzung mit einem Boot des Feuerschiffes durchgeführt. Der Tonnenleger kann bei solchen Witterungsverhältnissen nicht längsseits des Feuerschiffes liegen

1966 wird der bisherige Magnetkompaß durch einen Kreiselkompaß ergänzt

1970 wird eine Radarantwortbake montiert. Damit kann aif den Radarschirmen anderer Schiffe das Echo des Feuerschiffes einwandfrei unter einer Vielzahl anderer Echos herausgefunden werden

11.03.1970 im Laufe ihrer 40 Dienstjahre wird die ELBE 1 über 50 Mal von anderen Schiffen gerammt. Die schwerste Havarie ereignete sich als der argentinischen Frachter "Rio Carcarano", 8482 BRT, das Feuerschiff im dichten Nebel rammt. Der Rumpf wird in Höhe des Maschinenraumes bis zur Hauptmaschine aufgerissen. Das Feuerschiff konnte schwimmend gehalten werden; das Wasser stand bis auf wenige Zentimeter unter dem Hauptdeck. Die Besatzung war vorübergehend auf den Lotsendampfer "Kommodore Rolin" übergestiegen. Zusammen mit dem Tonnenleger "Walter Körte" und "Konrad Meisel" sowie dem Eisbrecher "Eisfuchs" gelingt es der Besatzung das schwer leckgeschlagene Schiff zum Tonnenhof nach Cuxhaven zu bringen. Nach Aufbringen einer riesigen, provisorischen Abdichtung aus Stahlblech mit Hilfe von Tauchern konnte das Schiff zwei Tage nach der Kollision soweit gelenzt werden, dass es auf das Slip der Cuxhavener Mützelfeldwerft genommen werden konnte. Die Reparatur dauerte bis Oktober 1970 und kostete 1,6 Millionen DM. Die Maschinenanlage konnte nicht repariert werden, sie wurde durch eine neue, um 150 PS stärkere Anlage von 650 PS der Firma MAN ersetzt. Im Rahmen der umfangreichen Werftarbeiten wurde auch der Vor- und Achtermast verkürzt

17.10.1970 die Position der Feuerschiffstation wird von Position 1953: 53° 59' 57" Nord - 08° 10' 40" Ost nach
54° 00' 00'' Nord - 08° 10' 03'' Ost verlegt

03.01.1970 bei schwerem Sutrm aus WNW wird eine rettungsinsel von einer See außenbords gewaschen. Das Schiff rollt und kränkt stark

07.11.1970 bei schwerer See wird ein Rettungsfloß außenbords gewaschen

11.09.1971 die Ankerkette brach bei gutem Wetter, Westwind 4 Bft., 200 m Kette und der Pilzanker gingen verloren. Das Ankergeschirr wurde später durch den Tonnenleger "Konrad Meisel" geborgen

17.11.1971 beide Rettungsflöße wurden durch schwere Brecher außenbords gewaschen

07.12.1973 das Feuerschiff vertreibt nach Kettenbruch bei schwerem WNW-Sturm von der Position

21.12.1973 das Feuerschiff wird in eine Klasse des Germanischen Lloyd aufgenommen. Er erhält das Klassenzeichen 100 A 4 "Feuerschiff"

08.11.1974 dem Feuerschiff wird ein Ausrüstungs- und Sicherheitszeugnis der Seeberufsgenossenschaft erteilt

1976 die Handruderanlage wird durch eine hydraulisch betriebene Ruderanlage ergänzt

1978 das Ruderhaus wird durch eine Aluminiumkonstruktion erneuert und gleichzeitig vergrößert

09.1978 Beginn der Verklappung von Klärschlamm auf dem Hamburger Klärwerk am Köhlbrand nördlich der Feuerschiffstation. Die Besatzung hat die Aufgabe, die für das Einbringen vorgegebene Position zu kontrollieren

08.03.1979 für die Sicherheit der Besatzung kommen 20 Stück Schwimmanzüge (Kälteschutzanzüge) an Bord. Diese müssen bei schlechtem Wetter während der Decksarbeiten getragen werden

27.03.1979 ein Matrose des Feuerschiffes fällt bei der Ablösung außenbords, wird aber sogleich gerettet

18.08.1979 ein Besatzungsmitglied verstribt durch Herzversagen an Bord

28.04.1979 die Besatzung des Feuerschiffes setzt ein Boot aus und brigt zwei Mann des nach einer Kollision sinkenden Fischkutters "Birgit" HF 556 2,5 sm westlich der Feuerschiffsposition

1983 während der Werftzeit wird der A-förmige Achtermast entfernt und durch einen 11,5 m langen Antennenmast ersetzt

15.01.1984 ein Besatzungsmitglied wird mit einem SAR-Hubschrauber wegen Rippenbruchs von Bord geholt. Ein paar Tage später wird ein Matrose wegen akuter Erkrankung mit dem Seenotrettungskreuzer "Armed Emminghaus " an Land gebracht

19.10.1986 bei 2 sm Sicht rammt das zypriotische M.S. "Capricorn" morgens um 6.15 Uhr das Feuerschiff, welches an den Masten und am Feuerturm stark beschädigt wird. Besatzungsmitglieder kommen nicht zu Schaden. Wegen der schlechten Wettervorhersage verläßt das Feuerschiff um 8 Uhr die Position zur Reparatur nach Cuxhaven. Der Schiffsrumpf wurde nicht beschädigt, die Reparaturkosten betrugen 357.000,- DM

22.04.1988 die ELBE 1 wurde als eines der letzten bemannten deutschen Feuerschiffe außer Dienst gestellt. Die Station wird vom unbemannten FS 2 "ELBE" übernommen und in "Elbe" umbenannt

20.06.1988 Gründung des Fördervereins "Schiffahrtsgeschichte Cuxhaven - Feuerschiff ELBE 1 - e.V.

30.12.1988 Übergabe des Feuerschiffes durch das Wasser- und Schifffahrtsamt Cuxhaven an die Stadt Cuxhaven. Niederholen der Bundesdienstflagge, Setzen der Stadt- und Bundesflagge. Der Kaufvertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland (WSA Cuxhaven) und der Stadt Cuxhaven schreibt vor, dass das Schiff als nautisch-technisches Denkmal in einem betriebsbereiten Zustand erhalten werden muss und der Bevölkerung zur Besichtigung vorzuhalten ist

05.10.1989 Die Stadt Cuxhaven übergibt das Feuerschiff zum 01.10.1989 mit allen Rechten und Pflichten an den Förderverein, bleibt jedoch Eigentümerin des Schiffes

20.04.-17.05.1990 Überholung des Schiffes auf der Mützelfeldwerft in Cuxhaven. Schiffsrumpf gesandstrahlt und gemalt, Reparaturen im Decks- und Maschinenbereich, Klasse verlängert

01.06.1990 Feuerschiff verholt vom Tonnenhof des Wasser- und Schiffahrtsamtes Cuxhaven an den künftigen Liegeplatz Zollkaje

03.06.1990 offizielle Eröffnung des Museums-Feuerschiffes

12.04.2001 wegen der großen Fülle von Aufgaben trennte man aus Vernunftsgründen das Feuerschiff vom "Förderverein" ab und gründete ausschließlich für die Belange ELBE 1 den "Feuerschiff-Verein ELBE 1 von 2001 e.V. Cuxhaven"

Seit dem 01.01.2002 nimmt der neue Verein mit ehrenamtlichen Mitgliedern und zwei hauptberuflichen Kräften die Betreuung des Schiffes wahr

Das Feuerschiff liegt im alten Hafen von Cuxhaven am Bollwerk Alte Liebe und kann dort besichtigt werden. Die Unterkünfte mit Kammern, Kombüse, Mannschafts- und Offiziersmesse sind für Besucher ebenso zugänglich wie der eindrucksvolle Maschinenraum und natürlich die Kommandobrücke. Alle nautischen und technischen Einrichtungen sind in einem betriebsbereiten Zustand, so ist es (fast jederzeit) möglich, die Leinen los zu werfen und auf Fahrt zu gehen. Den Fahrplan für dieses Jahr findet Ihr hier. Einen kleinen Reisebericht über eine Gästefahrt von Cuxhaven nach Stade findet Ihr hier.

Die Besucher erkunden das Schiff anhand eines „Leitfadens“, der an der Kasse erhältlich ist, über einen Rundgang von 30 Stationen mit funktionellen Einrichtungen wie Radar- und Funkanlagen sowie nautischen, meteorologischen und technischen Geräten. Auch die laufenden schiffbaulichen Restaurierungsarbeiten sind sehenswert. Die Offiziersmesse dient heute dem Cuxhavener Standesamt als Trauzimmer. Nach Voranmeldung können Brautpaare hier „in den Hafen der Ehe“ einlaufen.

 

Besucheradresse:
Im alten Hafen von Cuxhaven direkt am Bollwerk Alte Liebe 

Öffnungszeiten:
April bis Anfang Oktober:
Dienstag bis Sonntag (und Feiertage) von 11.00 bis 16.00 Uhr

Eintrittspreise:
Erwachsene: 2,50 €
Kinder (6-16 Jahre): 1,50 €
Familien: 6,50 €

Link zur Homepage der ELBE 1:
http://www.feuerschiff-elbe1.de

 

 

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