Trinity House
Light Vessel No. 13

1952 - 1989

 

 

Position heute: 53° 32' 36,4'' Nord - 9° 58' 48,4'' Ost

liegt im Hamburger Hafen

 

Schiffsdaten

Maße: Länge 42,00 m

Länge zw. den Loten

Breite 7,60 m

Seitenhöhe

Tiefgang 3,30 m

Verdrängung ca. 550 BRT

Feuerhöhe: 12,50 m

Tragweite: 25 sm

Anker: 3 Stück

Mastenhöhe:

21,00 m

Laterne:

4 x 350 Watt, in Spiegeln gebündelt

Kennung:

1 Blink alle 10 Sekunden

Nebelsignal:

3 Töne alle 60 Sekunden

Werft: Philips & Sons, Dartmouth/England

Baujahr: 1952

Kosten: 1.200.000 Englische Pfund

Maschine: keinen eigenen Antrieb

 

Geschichte:

Das Schiff wurde im Jahre 1952 auf der englischen Werft von Philips & Sons in Dartmouth für £ 1.200.000 gebaut. In den Gewässern rund um die Britischen Inseln lagen seinerzeit 37 derartige Feuerschiffe, deren Aufgabe es war, der Schifffahrt als Seezeichen an besonders markanten Orten z.B. Flussmündungen, gefährlichen Sandbänken, Felsen u.a. zu dienen. LV 13 lag als Feuerschiff vor der Mündung des Humber, an der englischen Ostküste.

Feuerschiffe wie LV 13 mussten allen witterungsbedingten Risiken im Interesse der an Bord befindlichen Mannschaft und der internationalen Schifffahrt standhalten. Konzeption, Qualität und Festigkeit in sämtlichen Bauteilen waren demnach so angelegt, dass noch heute nach fast 50 Jahren eine hervorragende Schiffssubstanz vorhanden ist. Besonders sehenswert dürfte für Schiffbaukenner und Interessierte denn auch die erstklassig durchgeführte Nietbauweise sein. Auf dem Kontinent baute man zu jener Zeit solche Schiffe bereits vorwiegend in Schweißtechnik. Im Unterschied zu deutschen Feuerschiffen verfügten die englischen Light Vessels niemals über einen eigenen Antrieb, sondern wurden grundsätzlich mit Schleppern auf ihre Position und in dreijährigen Abständen zur gründlichen Überholung in Werften gebracht.

Die Laterne mit ihrer in den Seekarten präzise bezeichneten Kennung (1 Blink alle 10 Sekunden) und das akustische Nebelsignal (3 Töne alle 60 Sekunden) waren Sinn und Zweck des gesamten Objektes. Hierfür wurde ein schier unglaublicher Aufwand betrieben: Das Schiff aus 16 mm dicken Schiffbauplatten hatte im voll ausgerüsteten Zustand eine Verdrängung von ca. 550 t. 30 t wogen allein die Ankerketten mit den drei verschiedenen Ankern. Zwei große Schlingerkiele im Kimmbereich unter Wasser beruhigten das ankernde Fahrzeug in der Dünung. Sechs Generatoren und zwei Kompressoren versorgten LV 13 mit Strom und Druckluft: Strom für das Leuchtfeuer und den allgemeinen Schiffsbetrieb, Druckluft für den Windenmotor des schweren Ankerspills und das Nebelhorn.

Das Schiff hatte 8 Mann Besatzung, die alle 2 Wochen gewechselt wurde. Die Schiffsheizung und die Warmwasserbereitung war von der Mannschaft mit Kohle zu bewerkstelligen. Zu diesem Zweck wurde in zwei Kohlebunkern die sehr heizintensive Anthrazitkohle gelagert. In der Küche befanden sich ein Propangasherd und ein kleiner, kohlebeheizter Ofen mit Boiler für die Warmwasserversorgung. Darüber hinaus waren zwei Kohleheizkessel für die Beheizung im Kettenkasten montiert. Die Mahlzeiten der Besatzung wurden in der Mannschaftsmesse eingenommen, während der Kapitän und der zeitweilig an- wesende technische Inspektor in der Kapitäns-Messe zu speisen pflegten. Von der Brücke aus konnten das Nebelhorn, der Schiffsalarm, das Bordtelefon zum Maschinenraum und Kapitän, sowie die elektrische Zündung von Warnraketen für den Fall gefährlicher Annäherungen von Schiffen betätigt werden. Das Versorgungsschiff von Trinity House kam in regelmäßigen Abständen, um die Vorräte zu erneuern und die Mannschaft auszuwechseln. Die Trinkwasserversorgung erfolgte aus vier Tanks im Schiffsbodenbereich. Das Wasser wurde hierzu von der Mannschaft per Handschwengelpumpe aus diesen Tanks in einen "Tagestank" auf dem Bootsdeck umgepumpt. Das Wasser versorgte mit natürlichem Gefälledruck die Küche und die beiden Wasch- und Duschräume. Die beiden Toiletten wurden auf ähnliche Weise, jedoch mit Seewasser aus einem speziellen Tank auf dem Oberdeck versorgt.

1988 wurde LV 13 außer Dienst gestellt und zunächst als Reserve-Schiff in Harwich verankert, bis es schließlich mit vielen Schwesterschiffen im Zuge der Automation zum Verkauf angeboten wurde. Als dann die Verschrottung anstand und ein großer englischer Schrotthändler die letzten fünf dieser Light Vessels en bloc kaufen wollte, dachte sich der Hamburger Kapitän Wulf Hoffmann, dass so etwas Schönes erhalten bleiben sollte und kaufte LV 13 für 30.000 Pfund von der englischen Schifffahrtsbehörde Trinity House. Die letzte Reise von LV 13 fand im Juni 1991 statt. Mit dem Kümo "Gertje" wurde das Feuerschiff von Harwich auf die Jöhnk-Werft nach Hamburg geschleppt. Dort wurde zusammen mit den Architekten Fritz Schleif und Ronald Spindler aus Gudehandviertel der Umbau des Feuerschiffes für seine Verwendung als museale Gastronomie- und Kulturstätte vorzubereitet.

Von April 1992 bis Februar 1993 wurde der Umbau vorgenommen unter Einsatz von 55.000 Mannstunden Arbeit, 2.000 Litern Farbe und 300 Flaschen Sauerstoff und Acetylen zum Schweißen und Brennen. So mussten z.B. Raumhöhen vergrößert, Fluchtwege geschaffen, Treppen und Gangways gebaut werden. Die kleine Pantry wurde zu einer richtigen, modernen Küche umgebaut, in der drei Köche für das Wohl der Gäste sorgen. Es fehlten auch die sanitären Anlagen für Restaurant, Pub und Bar und für die sieben original belassenen Mannschaftskammern, die zum Minihotel umgebaut wurden. Kopfschmerzen bereiteten auch die Be- und Entwässerung und die Installation von Lüftungs- und Heizungsanlagen. Die Leuchtturmkonstruktion wurde in die Bar einbezogen, die durch die Öffnung und Erweiterung des Brückenhauses auf dem Bootsdeck entstand. Dabei bildet das Ständerwerk des Feuerträgers die Basis für einen runden Bartresen, mit bequemen Hockern. Vom Restaurant auf dem Achterdeck und unter dem ehemaligen Hubschrauberlandeplatz - er dient im Sommer als Kaffeegarten und für Freiluft-Veranstaltungen - hat man einen herrlichen Blick über den Hamburger Hafen. Im Bauch des Schiffes - früher Maschinenraum, Ankerkettenkasten und Lagerraum - ist der Veranstaltungsraum für Kabarett, Dichterlesungen, Ausstellungen, Meetings und Podiumsdiskussionen, hauptsächlich aber für Oldtime und modernen Jazz entstanden. Etwas höher gelegen befindet sich der Pub. Viele der Einrichtungsgegenstände und technischen Einheiten wie Rohrleitungen, Ventile, Messgeräte, Ankerketten, Schalter aus Messing und Kupfer, die teilweise übermalt worden waren, sind wieder freigelegt, konserviert und in die verschiedenen Tresen mit einbezogen, an denen sieben Biersorten gezapft werden - darunter auch Guinness. Wer hier erst einmal in den gemütlichen Sitzlogen Platz genommen hat, der findet so schnell nicht wieder hinaus.

Zunächst fand das Feuerschiff seinen Liegeplatz im Stader Stadthafen, wurde am 15.11.1993 dann aber an seinen jetzigen Liegeplatz in den City Sporthafen nach Hamburg verlegt, wo es seither Wassersportlern und Landratten gleichzeitig als Pub, Bar, Restaurant, Hotel und Kulturschiff dient. Hamburg ist also mehr denn je einen Besuch wert!

  
 Link zum Original  

http://www.das-feuerschiff.de

 

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