11. Januar 1962
Am 11. Januar 1962 gegen 11.30 Uhr wurde das Feuerschiff FEHMARNBELT auf seiner Station vom polnischen Frachter POLANICA (3440 BRT) bei regnerischem Wetter mittschiffs gerammt und schwer beschädigt. Der polnische Frachter hatte sich an der Backbordseite etwa 2,5 Meter weit in das Feuerschiff gebohrt, sich aber nach einiger Zeit wieder von der FEHMARNBELT gelöst. Durch das Leck strömte Wasser in das Feuerschiff ein und es legte sich auf die Seite.
Der Schiffszimmermann Wilhelm Thode schilderte die Ereignisse vom 11.01.1962 wie folgt: Gegen 11.30 Uhr war er auf dem Weg zur Messe. Auf dem Feuerschiff wurde früh gegessen. Wilhelm Thode brachte die Teller, einer hatte Kartoffeln geholt, andere standen vor der Essenausgabe. Da schrillte die Alarmglocke. "Probealarm!" dachten die meisten. Denn einmal während der 14 Tage bis zur nächsten Ablösung werden auf den Feuerschiffen Alarmanlagen und Rettungsgerät überprüft. "Warum machen die das gerade während des Mittagessens?" schimpfte jemand. Aber schon knallte und kreischte es. Das Schiff legte sich auf die Seite. Wasser rauschte in die Messe. Er war ein glücklicher Zufall für den Schiffszimmermann, dass er noch im Gang zur Messe war. Der Gang war nicht bereit. Er wurde nur wenige Meter weit geschleudert. Schlechter waren die Kameraden in der Messe dran. "Raus!" schrie jemand. Die Besatzung drängte an Deck - über eine Treppe, auf der den Männern das Wasser entgegen kam. Dort sahen sie den Bug, der sich mitten in das Schiff gebohrt hatte. Rettungsboot und Rettungsinsel wurden klar gemacht. Beim Einsteigen rief einer der Funker: "Wolter fehlt!" Kapitän Jürgensen ließ durchzählen: Es fehlte noch einer! Wo war der Koch? Die beiden Funker waren in ihrer Kabine, der vermisste Koch in der Kombüse. Von dem Aufprall wurden sie über das Deck geschleudert, das Wasser spülte sie über Bord. Funker Otto Mattha konnte sich wieder an Bord ziehen. Das polnische Schiff hatte sich inzwischen wieder aus dem Feuerschiff herausgezogen. Plötzlich sahen die Männer den Funker Wolter auf den Wellen treiben. Als er ins Boot gezogen wurde, lebte er noch. Kurze Zeit darauf erlag er seinen Verletzungen. Alle elf Überlebenden waren bis auf die Haut nass, als sie von anderen Schiffen an Bord genommen wurden. Die einen von dem Motorschiff "Bremer Reeder", die meisten von der "Polanica". Die meisten wurden gleich mit Alkohol abgerieben, in Decken gewickelt und in die Kojen gepackt. Die Polnische Besatzung half ihnen mit trockener Kleidung aus. Nach der Ankunft in Kiel wurden die Verletzten ins Krankenhaus gebracht.
Besatzungsmitglieder des Geleitbootes KÖLN sägten die Kette des Feuerschiffes durch. Am Abend schleppte der Tonnenleger BUSSARD den Havaristen nach Puttgarden. Die Besatzung des Hochseeschleppers HERMES bemühte sich, das Leck abzudichten un das eingedrungene Wasser zu lenzen. Einige Tage später wurde das Feuerschiff von der HERMES zu den Kieler Howaldtswerken geschleppt und dort im Schwimmdock I repariert.
Nach dem Spruch des Seeamtes ist der Zusammenstoß darauf zurückzuführen, dass "das polnische Schiff, als das Feuerschiff 45 Grad backbord voraus lag, bei 16 Knoten Geschwindigkeit eine Kursänderung um 20 Grad vornahm, die ein Versagen der elektrisch-hydraulischen Ruderanlage auslöste". Folgende Lehre zog das Seeamt aus dem Unfall: An einem Feuerschiff ist in reichlichem Absatand vorbeizufahren. Die Kursänderung (die an dieser Stelle des Zwangsweges nach Kiel erforderlich wird) ist erst vorzunehmen, wenn das Schiff querab des Feuerschiffes liegt.
Quellen: Kieler Nachrichten
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Bei dem Unglück am 11.01.1962 verloren ihr Leben:
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